VON DER ÖKOTROPHOLOGIN (ERNÄHRUNGSBERATERIN) IN DEUTSCHLAND ZUR OLIVENBÄUERIN IN ANDALUSIEN

Ich heisse Monika Hohage, Jahrgang 1958 und bin im Bergischen Land geboren und aufgewachsen. In meiner Jugend habe ich schon immer vom Landleben geträumt. Eine Mitschülerin war Bauerstochter und wann immer ich Zeit hatte, bin ich auf dem Hof gewesen. Nach Beendigung der Schule und Berufsausbildung arbeitete ich über zwanzig Jahre als Ernährungsberaterin, aber meinen Jugendtraum vergaß ich nie. Meine Kollegen hielten mich immer für ein wenig verrückt , wenn ich sagte, dass ich meine Stelle kündigen und auf´s Land ziehen würde, wenn ich keinerlei familiäre Verpflichtungen mehr hätte.
Dieses traf dann in 2001 ein. Sowohl im Norden als auch im Süden Deutschlands suchte ich nach etwas Passendem für mich, bin aber nicht fündig geworden. Im Februar 2002 verbrachte ich das erste Mal meinen Urlaub in Spanien. Ich bin mit dem Auto nach Andalusien, in die Nähe von Granada, aufgebrochen und verliebte mich in die traumhafte Landschaft.
Das Kontrastprogramm von Kirsch-und Mandelblüte im Tal und im Hintergrund die schneebedeckte Sierra Nevada, einfach fantastisch. Da ich in keiner Touristenhochburg war, sondern nur in kleinen Dörfern, gab es natürlich einige Sprachschwierigkeiten. Die Dorfbewohner sprachen kein Deutsch und ich kein Spanisch, aber mit Hilfe eines Wörterbuches und unter Einsatz von Händen und Füßen bin ich zurecht gekommen. Hier bin ich dann auch das erste Mal mit Olivenbäumen in Kontakt gekommen.
Wieder in Deutschland, war mir klar, dass ich dort leben wollte. Ich habe dann meine sichere Stelle im öffentlichen Dienst gekündigt, mit dem Resultat, dass meine Kollegen jetzt endgültig an meinem Verstand zweifelten. Keiner hatte meine früheren Aussagen für bare Münze genommen. Danach wurde das Problem Sprache in Angriff genommen. Als erstes Lehrbücher und Kassetten besorgt und in Eigenregie angefangen, Spanisch zu lernen. Ein besserer Erfolg ist immer dann gewährleistet, wenn man eine Fremdsprache im Ursprungsland lernt. Daraufhin ging ich für drei Monate in eine Sprachschule in Granada. Dies auch unter dem Gesichtspunkt, Ferien machen ist etwas anderes als den normalen Alltag zu meistern. In der Zeit von Juli bis Oktober 2002 stand von Montag bis Freitag Schulbesuch auf dem Programm. Am Wochenende wurden dann Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht. Dank des guten Busangebotes war man nicht aufs Auto angewiesen. Städte wie Jaen, Ubeda, Baeza im Landesinnern oder Almeria, Malaga an der Küste sind einfach mit dem Bus zu erreichen. Während meines Schulaufenthaltes lernte ich sehr nette Spanier kennen, die mir ihre Hilfe anboten, wenn ich nach Spanien kommen würde. Wieder in Deutschland, stand die Auflösung meines Haushalts an. Außerdem musste ich meinen kleinen Stadtflitzer gegen eine geländetaugliches Teil austauschen. Am 13. Dezember 2002 kam dann der Möbelwagen, der meine restlichen Sachen fürs Lager abholte, da ich zu dieser Zeit noch keine neue Bleibe hatte. Am 14. Dezember bin ich dann in Richtung Spanien aufgebrochen und am 15. Dezember am Nachmittag in Granada angekommen. Meine spanischen Bekannten hatten mir ein günstiges Zimmer besorgt . Innerhalb weniger Tage habe ich dann, etwa 15 Kilometer von Granada, ein kleines Haus abseits vom Dorf gefunden, das ich dann für ein Jahr gemietet habe. Und hier kam dann der zweite Kontakt mit Olivenbäumen. Zu dem Haus gehörten 100 alte Olivenbäume, die im Dezember ihre Früchte trugen und geerntet werden mussten. Außerdem gab es noch Walnuss-, Mandel-und Quittenbäume und sogar das berühmte Wahrzeichen von Granada, der Granatapfel wuchs hier. Nach der ersten Woche meines Aufenthaltes kam dann der erste Nachbar zu Besuch. Man(n) mußte sich ja mal erkundigen, wer sich da so etwas entfernt vom Dorf eingenistet hatte. Mein Nachbar Antonio hat mir die erste Unterrichtsstunde in Sachen Olivenernte erteilt. Das hieß , Netze auslegen und den Schlagstock zum Runterschlagen der Früchte einsetzen. Die ersten Versuche verliefen natürlich sehr niederschmetternd, da ich mich nicht traute auf die Olivenzweige zu schlagen. Aber nach und nach verschwand die Angst etwas kaputt zu machen und so hatte ich nach mehreren Wochen meine erste Olivenernte abgeschlossen. Im Dorf gab es eine Sammelstelle, an welcher die geernteten Oliven abgegeben werden konnten und von wo sie dann weiter zur Pressung abtransportiert wurden. Damals wusste ich noch nicht, dass die gepflückten Früchte maximal 3 Tage gelagert werden sollten. Mein Nachbar Antonio hat mir im Laufe der Zeit alle weiteren anfallenden Arbeiten erklärt und gezeigt, wie man es machen muss. Während dieser Zeit habe ich mich in der Gegend nach etwas Passendem für immer umgesehen und bin dann 70 Kilometer von Granada entfernt fündig geworden. Zwischen den Dörfern Torre Cardela und Guadahortuna gab es ein altes Cortijo (spanisches Bauernhaus) mitten in Olivenbäumen, ohne Nachbarn oder Straßenverkehr. Nachdem Wasser und Strom ins Haus gelegt worden waren und die Renovation innen abgeschlossen war, wurden die Möbel geliefert und ich konnte einziehen. Nach weiteren drei Monaten wurde ich dann stolze Besitzerin von 400 acht Jahre alten Olivenbäumen. Hier in der Gegend wird überwiegend die Olivensorte Picual angebaut, da sie am ertragreichsten bei der Oelgewinnung ist. Die Olivenbäume, die ich gekauft habe, sind die Sorte Hojiblanca. Dieser Olivensorte sagt man zwar eine geringere Oelgewinnung nach, aber die Oliven eignen sich ebenfalls sehr gut zum Essen und das Olivenoel ist milder im Geschmack als die Sorte Picual. Da die Olivenbäume über einige Jahre verpachtet waren und der Pächter keine große Pflege betrieben hat, musste ich zunächst das Unkraut bekämpfen, da es genau so hoch gewachsen war wie die Olivenbäume. Dann ging es an das Absägen einiger Stämme. Früher hatten die Olivenbäume meistens drei Stämme, heute lässt man nur einen Stamm stehen, damit Erntemaschinen eingesetzt werden können. Und selbst wenn keine Erntemaschinen eingesetzt werden, sind alle anderen Arbeiten einfacher zu erledigen, wenn nur ein Stamm da ist. Zum Beispiel: Entfernen der Wassertriebe am Stamm oder Legen der Netze bei der Ernte. Da ich in Deutschland einen Garten hatte und immer gegen den Einsatz von Giftkeulen zur Schädlingsbekämpfung war, habe ich mich sachkundig gemacht, ob ich andere Möglichkeiten als den konventionellen Landbau habe. Beim Andalusischen Komitee für ökologischen Anbau (CAAE) bin ich dann fündig geworden. Ein Techniker
versorgte mich mit allen möglichen Informationen und mit Literatur. Ich bin dann nach einigen Überlegungen Mitglied bei dem Komitee geworden. In der folgenden Zeit belegte ich Kurse zur Weiterbildung. Als Mitglied musste ich nun alles, was ich in den Oliven machte, genau dokumentieren. Produkte zur Düngung des Bodens oder der Bäume müssen zertifiziert sein und durch Rechnung bei der jährlichen Überprüfung nachgewiesen werden. Neben der Dokumentation werden natürlich auch Proben der Früchte, der Blätter und des Bodens genommen, um sicher zu stellen, dass die Angaben auf dem Papier auch der Wahrheit entsprechen. Im Laufe der Zeit kam dann die Idee der eigenen Oelmarke. Nach Erfüllung der Wartezeit von drei Jahren, wurden meine Olivenbäume zertifiziert und ich konnte meine Früchte als Produkt aus ökologischem Anbau verkaufen. In der folgenden Zeit informierte ich mich darüber, was ich machen musste, um meine eigene Oelmarke zu bekommen. Kurz gesagt, einen Berg an Papieren ausfüllen, Namensvorschläge machen und einiges an Geld investieren, damit die Marke dann beim Patentamt eingetragen wird. Hat man dann seinen Markennamen, geht es weiter. Es wird ein Etikett benötigt, das zum Namen passt und was muss alles auf dem Etikett angegeben werden? Nach einigen Problemen ist das Etikett meines "Torreón de Cardela", so denke ich, recht gut gelungen. Die einfachste Übung war dann, die dazu passende Flasche auszusuchen.
Seit 2009 verkaufe ich nun mein Olivenoel aus ökologischem Anbau in Deutschland. Da ich kein Großproduzent bin, steht mir natürlich nur eine geringe Menge zum Verkauf zur Verfügung. Das heißt, wenn meine Olivenbäume zum Beispiel 3000 Kilogramm Früchte haben, ergibt das etwa 600 Liter "Torreon de Cardela". Da ich nur mein eigenes Olivenoel verkaufen will kann ich natürlich nicht unbegrenzt anbieten. Ich bin darauf angewiesen, dass meine Bäume wachsen und größere Fruchterträge erzielen. Einmal im Jahr, meistens im April, fliege nach Deutschland, um meine neue Ernte abzuliefern und natürlich auch um neue Kunden zu besuchen.